Gewaltexzesse in der muslimischen Welt (Libyen, Ägypten, Jemen) wegen Muhammad-Video

Der Amerikanische Botschafter in Libyen und drei weitere Menschen werden von gewalttätigen Demonstranten getötet. Demonstranten fordern den Tod des Video-Autors. Westliche Welt distanziert sich vom Inhalt des Videos.

Außenminister Westerwelle sagt dazu:
„Es gibt aber auch einen Fluch des Internets – nämlich, dass auch die verrücktesten und fanatisch verblendetsten Menschen ihr dümmstes Zeug ins Internet stellen können und dabei leider auch die Gefühle von vielen Menschen verletzen.“

Hier muss ich Herrn Dr. Westerwelle widersprechen. Es ist kein Fluch, dass jeder sein Weltbild verbreiten kann (solange es nicht strafrechtlich relevant ist), sondern ein Segen. Wir alle müssen lernen, und das gilt besonders für die muslimischen Mitbürger, andere Meinungen auszuhalten, auch wenn sie respektlos, geschmacklos oder politisch wirr sind. Die Zivilisation zeichnet sich dadurch aus, dass nicht jeder seinen unliebsamen Nebenmann aufknüpft oder erschlägt. Wir brauchen mehr denn je die Kraft der Argumente, die Äußerung des Missfallens und die Darstellung der eigenen Position, den Widerspruch.
Seit 2.7.12 steht das Video auf YouTube und der Besucherhype hat mit dem 11.9.12 eingesetzt. Aktuelle haben weit über 2 Mio, hauptsächlich Männer zw. 35 und 64 Jahren aus Ägypten, Tunesien und Kanada das Video gesehen. Fast 50.000 Kommentare sind zu lesen und neben knapp 10.000 positiven Bewertungen gibt es 43.000 negative Bewertungen.

Kaum ein deutsches Leitmedium hat den Link zum Video der Berichterstattung beigefügt. Einzig bei der WELT-Online habe ich ihn gefunden, nachdem die Google-Suche keinen schnellen Erfolg hatte. Ich habe mir das Video angesehen und als negativ bewertet. Da ich selbst kein Muslim bin, kann ich die religiöse Empörung vielleicht intellektuell aber nicht emotional nachvollziehen. Doch selbst eine schwerwiegende Verunglimpfung des Religionsstifters Muhammad rechtfertigt keinerlei Gewaltanwendung. Oft höre ich die Aussage, dass der Islam keine gewalttätige Religion ist, was ich immer wieder gerne glauben will (das Christentum behauptet das trotz Kreuzzüge auch von sich), doch angesichts der Bilder von Gewaltexzessen in Libyen, Ägypten und Jemen kommt mir doch der eine oder andere Zweifel auf. Sind das alles nur fehlgeleitete Gläubige? Wo sind die Religionsführer, die zur Mäßigung aufrufen? Wo rufen die Politiker der betroffenen Länder die Menschen zu den Werten der Zivilisation zurück?

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