Klassenkampf- ein Relikt von gestern?!

Wer durch die Blogs und Tweets des Internets browst, begegnet häufig den flammenden Reden für oder wider dem Klassenkampf. Ich bin darüber etwas verwundert, weil ich spätestens seit dem Ende der DDR diesen Begriff für völlig deplaziert in der wirtschafts- und sozialpolitischen Debatte ansehe. Manch einer kann aber von seinen alten Kampfbegriffen nicht ablassen, und auch nicht verstehen, dass unsere globale Welt eine andere geworden ist. Die Komplexität der Welt lässt sich eben nicht mehr in eindimensionale Klassenkampfszenarien einsortieren.

Profit vs. Lohn?

Gibt es wirklich den unlösbaren Konflikt zwischen Profit und Lohn? Fangen wir mal mit der Begriffsbestimmung an. Profit ist der harte Kampfbegriff, der nichts anderes als Gewinn oder Unternehmerlohn bezeichnet. Gern und oft erfahren wir aus den Medien, welchen märchenhaften Gewinn ein Unternehmen gemacht hat. Worüber weniger gesprochen wird, ist die Vielzahl der Unternehmen, die gerade ihre Kosten decken können, oder temporär Verluste schreiben.

An dieser Stelle ein paar Zahlen, die auch die Relationen in der dt. Wirtschaft widerspiegeln (Quelle: Wikipedia):

Der Mittelstand in der Bundesrepublik Deutschland umfasst nach quantitativer Definition (bis 500 Mitarbeiter und 50 Mio Jahresumsatz)

  • rund 99,7 % aller umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen, in denen knapp
  • 65,9 % aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten angestellt sind,
  • rund 38,3 % aller Umsätze erwirtschaftet sowie
  • rund 83,0 % aller Auszubildenden ausgebildet werden.

Betrachtet man hingegen nur die Familienunternehmen, zeigt sich die volkswirtschaftliche Bedeutung anhand folgender Zahlen:

  • Etwa 95 Prozent der in Deutschland ansässigen Betriebe und Unternehmen werden als Familienunternehmen geführt.
  • Sie tragen etwa 41,5 Prozent zum Umsatz aller Unternehmen bei und
  • sie stellen 57 Prozent der Arbeitsplätze.

Wirtschaft besteht also zu 99,7 % nicht aus den DAX-Konzernen, sondern mehrheitlich sind es familiengeführte Mittelständler. Dieser Fakt kommt häufig zu kurz bei der medialen Diskussion.

Manche Protagonisten des Klassenkampfes (z. B. Blog Wut im Bauch) sind noch nicht in der Sozialen Marktwirtschaft angekommen. Hier geht es nämlich darum, die gemeinsame Wertschöpfung im Unternehmen fair zu verteilen. Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände streiten und manchmal streiken sie auch in alljährlichen Tarifritualen um diese faire Verteilung. Naturgemäß gibt es dabei unterschiedliche Interessenslagen die es im Sinne einer Win-win-Situation zu lösen gilt.

In der Berechnung der Stundenverrechnungssätze (dieser Betrag wird neben dem eingesetzten Material dem Kunden in Rechnung gestellt) sind je nach Branche 30 – 50% Lohn und Lohnnebenkosten, aber nur 3-10% Gewinnanteil berücksichtigt. Die fehlenden Prozent zu einhundert sind s. g. Gemeinkosten (Mieten, Versicherungen, Energie, Weiterbildung usw.). Diese Zahlen machen deutlich, dass der Mitarbeiter zu Recht den Löwenanteil des Umsatzes erhält und der Unternehmer bzw. die Eigentümer nur einen kleinen Anteil als Risikoentlohnung bekommen, von dem gerade in kleinen Unternehmen vielfach ein Großteil wieder ins Unternehmen investiert wird. In Deutschland sind knapp 11% der Bevölkerung selbständig (Quelle: IfM in Bonn). Wäre, wie oft behauptet, ein „anstrengungsloses Einkommen“ mit Unternehmensbeteiligung zu erwirtschaften, würden weite Teile der Bevölkerung ihre Sparbücher und Festgeldkonten plündern und in Aktien, Unternehmensanleihen oder GmbH´s bzw. Genossenschaften investieren. Diesen Boom gibt es aber aus dem Grund nicht, weil natürlich fast jedem (spätestens nach dem Telekom-Börsengang) klar ist, so risikolos ist eine Unternehmensbeteiligung, geschweige denn eine Unternehmensgründung nicht.

Profit steigt, wenn Lohn sinkt

Ich persönlich habe in meiner 20jährigen Praxis als kleiner Unternehmer erfahren, wie gut ein Unternehmen funktioniert und für alle gewinnbringend ist, wenn Unternehmer und Mitarbeiter gemeinsam für das Wohl der Kunden arbeiten und die langfristige Perspektive für beide im Auge haben. Dieser Interessensausgleich ist nicht immer leicht, muss deshalb jeden Tag neu erarbeitet werden und manchmal wird auch dieses gemeinsame Ringen von der einen oder anderen Seite aufgegeben. Über diese Firmen liest man dann irgendwann in den Insolvenzmitteilungen. Selbst für den größten Konzern in Deutschland (VW) lässt sich die Klassenkampf-Formel mit dem sinkenden Lohn bei steigendem Gewinn nicht belegen, im Gegenteil.

Nach meiner Beobachtung wird Klassenkampf heute nur noch ernsthaft von dem linken und rechten Rand des politischen Spektrums propagiert. Mit „einfachen Wahrheiten“ wird auf BILD-Niveau versucht Wahlvolk zu ködern, wobei in beiden Lagern das Klassenkampf-Ziel nicht konkret benannt wird. Als gelernter DDR-Bürger kann ich mich an Klassenkampf a la „real existierender Sozialismus“ noch gut erinnern und die braune Perspektive ist mindestens genauso schlimm, wenn der „Führer“ bestimmt, welche Autos für die „Volksgemeinschaft“ gebaut werden.

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18 Antworten zu Klassenkampf- ein Relikt von gestern?!

  1. stefon schreibt:

    Hier der Autor des verlinkten Blogs wutimbauch. Kurze Replik: In meinem Posting wird der Widerspruch zwischen Profit und Lohn aufgezeigt. Kurz gesagt: Es liegt im Interesse der Lohnabhängigen viel Lohn zu bekommen, im Interesse der Firma viel Profit zu machen. Diese zwei Interesse widersprechen sich grundsätzlich. In diesem Blogposting wird diesem Widerspruch in keinster Weise widersprochen.
    Es werden dafür Behauptungen angestellt die ich (siehe meinem Blogposting) nirgends aufgestellt habe. Kurz und knackig: Viel Rauch um nichts. Auf nen grundlegenden Interessenswiderspruch zwischen Firma und Lohnabhängigen wird nicht eingegangen, geschweige denn dass er widerlegt wird.

    • St. Blasii schreibt:

      Unternehmer kennen diesen angeblichen Widerspruch nicht, weil sie ihren Mitarbeitern so viel wie möglich teilhaben lassen wollen am gemeinsamen Erfolg. Dieser Widerspruch wird künstlich am Leben erhalten, um Arbeitnehmer in populistischer Weise und oft wider besseren Wissens (z. B. der Gewerkschaften) einzureden, sie bekommen nicht genug vom Ergebnis. Diese Unzufriedenheit kann schnell das Betriebsklima vergiften.

      • stefon schreibt:

        Nochmal, eine ganz ganz einfache Frage: Wenn MitarbeiterInnern mehr Geld bekommen, was passiert dann genau mit Profit? Wird er mehr oder weniger? Ich gehe doch davon aus dass die die Grundrechenarten beherrschen.

    • St. Blasii schreibt:

      Es geht nicht um Grundrechenarten, sondern um Grundeinstellungen- Unternehmen teilen gerne den Gewinn mit ihren Mitarbeitern Beispiel: Porsche

      • stefon schreibt:

        Es wäre für den Anfang ja mal nicht schlecht anzuerkennen, welche Frage ich mir auf meinem Blog stelle. Nämlich nicht die, wie UnternehmerInnen denken, nicht die ob UnternehmerInnen böse und Lohnabhängige gut sind. In dem Blogposting wurde die schlichte und einfache Frage gestellt: Stehen hoher Lohn und hoher Profit im Widerspruch. Und zu dieser Frage sagst du selbst: Ja. Ich zitiere:
        “ Naturgemäß gibt es dabei unterschiedliche Interessenslagen“
        Und um mehr gehts mir im ersten Schritt auch nicht. Sondern rein mal festzuhalten: Es gibt da einen Interessenswiderspruch. (Und aus diesem Interssenswiderspruch ergeben sie die von mir geposteten Beispiele)

      • St. Blasii schreibt:

        Ich sehe diesen Interessenwiderspruch nicht, vielmehr eine Interessengemeinschaft, da keiner ohne den anderen Erfolg/Einkommen hat. Deshalb keine Klassen und auch kein Klassenkampf im Marx´schen Sinn.

  2. Pronzius schreibt:

    Es gibt auch Linke, die ‚Klassenkampf‘ als schlechtes Erklärungsmuster für die heutigen Auseinandersetzungen verabschiedet haben, allerdings nicht um der Volkseinheit/dem Korporatismus das Wort zu reden: http://www.krisis.org/2006/kaempfe-ohne-klassen/print/

    • St. Blasii schreibt:

      Klassen sind in der Politik hauptsächlich dazu definiert worden, um das alte Herrschaftsprinzip: Teile und herrsche“ anwenden zu können. Bevölkerungsgruppen konnte so aufeinandergehetzt werden und man hatte genügend Raum für Polarisierung. Eine erfolgreiche Gesellschaft versucht das Verbindende zu finden und mehrheitliche Interessen zu verfolgen, ohne die Minderheit zu diskriminieren. Eine Kultur der Verantwortung für sich selbst und andere dient solch einem Zweck. Ich nehme viele Unternehmerkollegen als solche „Verantwortliche“ war. Es könnten aber noch mehr sein, deshalb wäre eine höhere Selbständigenquote als die jetzt knapp 11% für den dauerhaften Gesellschaftsfrieden von Vorteil. Ich habe kürzlich einen Spruch gelesen, der das treffend in Worte fasste: „Auf hundert Besserwisser kommt meist nur ein Bessermacher“

      • Pronzius schreibt:

        Verantwortung unterstellt autonome Entscheidungen: die treffen Individuen aber nur als Reaktionen auf bereits vorausgesetzte Sachzwänge; die „Daseinsformen, Existenzbestimmungen“ (Marx) interessieren dich garnicht: Wie gut man sich darin bewährt, hingegen sehr.
        Verantwortung kürzt sich im Kapitalismus zu einem *Zurechtkommenmüssen* unter Verhältnissen zusammen, die sich die Meisten nicht aussuchen, sondern in die sie zunächst mal versetzt: Kein Arbeitsplatz existiert, damit Leute zurecht kommen. Keine Produktion findet statt, damit Leute zurecht kommen: Arbeitsplätze müssen sich rentieren und in der Konkurrenz erkämpft werden, Produkte gibt es nur bei Gewinnerwartung, also bei ausreichend zahlfähiger Nachfrage (nicht bei blanken Bedarf). Die Belegschaft des einen Unternehmen wird angehalten, die Arbeitsplätze und Einkommen der anderen Belegschaft kaputtzukonkurrieren usw.; Man soll die „Angebote“ zum Zurechtkommen in der kapitalistischen Welt für sein Mittel halten, während man ihr Mittel ist.

        Selbstverantwortung unterstellt Existenzunsicherheit und die individuelle(!) Bewältigung durch Selbstdisziplinierung für die lebenslange Verwurstung im Produktionsbetrieb und für die allseitige Konkurrenz. „Verantwortung“ der Unternehmer ist das Andichten von Zwecken, die sie garnicht haben: Arbeitsplätze schaffen usw.

        Auffällig ist zudem, dass der „Verantwortung gegenüber Anderen“ immerzu mit staatlicher Gewalt nachgeholfen wird. Die ist also nicht selbstverständlich, weil sich Interessensgegensätze geltend machen.

        Welchem „Teilen und Herrschen“ soll außerdem Klassenkampf nützen? Es stimmt ja, dass Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufgehetzt wurden, z.B. wurde Rassismus als Mittel gegen Klassenkampf genutzt, der urspr. ein internationales Phänomen war (vgl. Peter Linebaugh, Hydra): Die Unterschiede zwischen den Nationen wären für einen entscheidender als die innerhalb einer Gesellschaft (Klassen). Sie zu verdrängen, mag ja einer *kapitalistischen* Gesellschaft nützen. Geht aber auf Kosten vieler Leute.

      • St. Blasii schreibt:

        Ich habe eine andere Definition von Verantwortung. Nach meinem Dafürhalten ist Verantwortung das individuelle Handeln nicht nur im eigenem kurzfristigen Interesse, sondern die Einbeziehung des Umfeldes mit nachhaltiger Orientierung. Ihren Verantwortungsbegriff kann ich überhaupt nicht teilen, er ist nach Ihren Wünschen verbogen. Verantwortung in meinem Sinne ergibt sich aus Bildung, Erfahrung und einer Vision.

    • stefon schreibt:

      Glaube da liegt (nach dem durchlesen des textes) ein missverständnis vor: im text auf wutimbauch geht es nicht darum zu behaupten, dass die menschen ein klassenBEWUSSTSEIN besitzen. es geht schlicht und ergreifend darum dass durch den widerspruch zwischen profit und lohn, menschen in zwei klassen geteilt werden, die unterschiedliche interessen besitzen. kurz: es geht um den hinweis: egal was gesagt wird, der widerspruch „hoher lohn und hoher profit“ existiert weiterhin

      • St. Blasii schreibt:

        Ich habe versucht zu erklären, dass es aus meiner Sicht diesen behaupteten Widerspruch gar nicht gibt. Nur gemeinsam (Unternehmer und Angestellte) erwirtschaften Werte und verteilen Sie im besten Falle fair. Das Wort „Profit“ ist schon eine sprachliche Wertung, die ich nicht teile. Und weil es nach meinem Dafürhalten diesen Widerspruch nicht gibt, ist auch die Einteilung in „Klassen“ irreführend und polarisierend.

      • stefon schreibt:

        Zum rechen für sie:
        Der Gewinn eines Unternehmens beträgt 10.000 Euro.
        Es existieren 10 MitarbeiterInnern.
        Wenn diese 10 MitarbeiterInnen eine Lohnerhöhung von je 10 Euro bekommen, was passiert dann? Steigt der Gewinn, fällt dieser oder bleibt er gleich? Ich bin mir ganz sicher, sie schaffen es diese Rechenaufgabe zu lösen

      • St. Blasii schreibt:

        Der verantwortungsvolle Unternehmer gibt gerne von dem Gewinn ab, weil er nicht in „Profit“ denkt, sondern nachhaltig wirtschaften will, damit er und seine Mitarbeiter auch noch in ferner Zukunft ein Auskommen haben. Sie habe völlig falsche Vorstellungen von den Motivationen eines Unternehmers. Haben Sie einen solchen Chef/In, der Ihren Lohn kürtz, um seinen dritten Porsche zu kaufen?

  3. istvan kantor schreibt:

    „Ihre Kommentare zeugen davon, dass Sie vermutlich noch nie ein Unternehmen von innen gesehen haben, geschweige denn unternehmerische Prozesse bzw. betriebswirtschaftliche Fakten kennen.“

    Ein Unternehmen kann man nicht von innen sehen, weil Unternehmen keine Gebäude sind, aber das nur nebenbei. Sie unterstellen mir eigentlich, ich müsste selber Unternehmer sein, um überhaupt zu verstehen, wie Unternehmen funktionieren. Ich kann mir theoretisch aber alles mögliche aneignen. Ich muss auch nicht nach Indien fahren, um etwas über die dortige Gesellschaft zu erfahren.
    Immer dieselbe Technik im argumentieren: Anstatt zu sagen „Du hast nicht recht und zwar aus folgenden Gründen“ kommt immer bloß „Das kann ja niemals stimmen“ und dann kommt nie wieso!

    „Ich kenne genügend Unternehmer, die vom Insolvenzverwalter bis auf das letzte Hemd ausgezogen wurden und dann wirklich in der Gosse gelandet sind. “

    Ich habe oben schon gesagt, dass ich nicht bestreite, dass es soetwas gibt, das ist aber halt auch überhaupt nicht das Thema.

    „Im dt. Sozialsystem passiert das dem Arbeitnehmer nicht, er bekommt im zweifel bis zu 2 Jahre Arbeitslosengeld I und eine Umschulung auf Kosten der Arbeitsagentur. “

    Alle Menschen, die in der Gosse landen sind also Unternehmer und keine Arbeitnehmer? Steile These. Empirisch unhaltbar.

    „Wie stellen Sie sich denn ein System der Wertschöpfung vor, dass nach Ihren Maßstäben gerecht ist? “

    Gar nicht, weil mir Wertschöpfung als Lohnabhängiger nicht gut tut. Das ist übrigens das Thema gewesen. Es wurde behauptet, dass Lohn und Profit zwei gegensätzliche Interessen sind. Das kam in Ihrer Antwort in keiner Weise vor. Diese Art zu diskutieren ist nicht zielführend. Bitte mal konkret auf meine Argumente eingehen (oder auf die von WiB) und sagen, was daran nicht stimmt, sonst verschwenden wir beide bloß unsere Zeit.
    Ich bestehe übrigens immer noch auf:

    „Eine dreiste Unverschämtheit, zeig mir mal eine einzige Stelle, bei der Rechtsradikale Klassenkampf propagieren, ansonsten nimmst du das sofort zurück! „

    • St. Blasii schreibt:

      Ihr theorethisches „Wissen“ basiert auf Hörensagen. Man muss eben schon nach „Indien fahren“ um etwas Stichhaltiges über die Gesellschaft zu erfahren, sonst bleibt es „Stille Post“. Ich habe schon versucht, die Argumente aus dem WiB-Blog zu widerlegen, scheint mir nicht gelungen zu sein. Vielleicht stimmt auch Ihre Einschätzung, dass wir wahrscheinlich beide unsere Zeit verschwenden. Wenn Sie keine Wertschöpfung wollen, wovon ernährt sich dann der Mensch, wo wohnt er, was zieht er an? Zurück in den Urwald? Ich maße mir auch nicht an zu sagen, dass Ihre Argumente nicht stimmen, ich versuche eine vielschichtige Betrachtungsweise mit unterschiedlichen Argumenten zu belegen, wobei ich nicht von der absoluten Weisheit beseelt bin, weil es die in der Philosophie auch nicht gibt. Wahrheit hat immer was mit dem individuellen Kontext zu tun. Mir ist dies bewusst, Ihnen aber augenscheinlich nicht. Gut und Böse gibt es nicht, das hatte ich schon mit eindimensionalen Klassenkampfszenarien gemeint, es gibt unendlich viele Grautöne. In der Philosophie nennt man das Dialektik.

      Wenn die dt. Rechte gegen die „Bonzen“ wettert und viele Wahlplakate der LINKEN und Rechten erschreckende Deckungsgleichheit der Texte (z. B. „Jetzt reichts“) aufweisen, dann sehe ich eine deutliche inhaltliche Nähe beider Lager, übrigens historisch (z. B. Anfang der 30er Jahre) nichts Ungewöhnliches.

      Ich will Sie nicht überzeugen und will auch von Ihnen nicht überzeugt werden. Im besten Falle tauschen wir gegensätzliche Argumente aus und ein oder mehrere Dritte bilden sich dazu eine individuelle Meinung. Demokratie muss die Meinung anderer aushalten, auch wenn sie einem nicht gefällt.

      In diesem Sinne bin ich gespannt auf Ihre Auflösung, wie und vovon leben wir (die Gesellschaft)? Meinen Vorschlag kennen Sie, Wertschöpfung fair verteilen, wobei man über fair streiten kann, solange man zu einem Ergebnis kommen will.

  4. istvan kantor schreibt:

    1. Du verwechselst DDR-Rhetorik mit dem Zeug, was du bei Wut im Bauch gefunden hast. Von dir kommen inhaltlich gar kein Einwände, sondern bloß der Hinweis, dass sei halt nicht mehr modern. Die These von WiB war ja noch nichtmal, dass Klassenkampf nötig und sinnvoll wäre, sondern dass es ihn gibt! Der Vorwurf „eindimensional“ ist auch billig. Wirfst du das auch jemandem vor, der sagt „2+2=4“? Werden Sachen falsch, wenn sie einfach sind?

    2. „Profit ist der harte Kampfbegriff, der nichts anderes als Gewinn oder Unternehmerlohn bezeichnet.“

    Unternehmerlohn ist doch ein Abzug vom Gewinn, was ist denn mit dir los, ich dachte du wärst Unternehmer? 😉

    3. „Wirtschaft besteht also zu 99,7 % nicht aus den DAX-Konzernen, sondern mehrheitlich sind es familiengeführten Mittelständlern. Dieser Fakt kommt häufig zu kurz bei der medialen Diskussion.“

    Na und? Hat das jemand bestritten? Was hat das mit einer korrekten Bestimmung des Profits zu tun, ob den eine Familie oder Siemens erwirtschaftet? Du hast Angst mit bösen korrupten Multis in einen Topf gesteckt zu werden und hältst dagegen, dass dein Unternehmer doch ganz klein und cozy wäre. Das zieht vielleicht bei Occupy-Fans, aber nicht bei uns, mein Lieber!

    4. „Manche Protagonisten des Klassenkampfes (z. B. Blog Wut im Bauch) sind noch nicht in der Sozialen Marktwirtschaft angekommen. Hier geht es nämlich darum, die gemeinsame Wertschöpfung im Unternehmen fair zu verteilen. Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände streiten und manchmal streiken sie auch in alljährlichen Tarifritualen um diese faire Verteilung. Naturgemäß gibt es dabei unterschiedliche Interessenslagen die es im Sinne einer Win-win-Situation zu lösen gilt.“

    Fällt dir denn nicht auf, dass wenn zwei Parteien sich um etwas streiten, dass es dann unmöglich um eine gemeinsame Aktion gegangen sein kann?
    Was ist eine faire Verteilung? Wie sieht die aus, hast du objektive Maßstäbe dafür? Wenn es objektive Maßstäbe gäbe, müsste man sich nicht streiten. Dann wäre von vornherein klar, wer wieviel bekommt. Die Tatsache, dass es Gwerkschaften und Streiks gibt ist ein Beweis dafür, dass es nicht darum gehen KANN, gemeinsam etwas zu produzieren und es nachher zu verteilen. Eine Gewerkschaft ist eine Organisationsform, die es deswegen gibt, weil die Arbeiter, wenn sie nicht ein wenig ihre Konkurrenz aufgeben solange gegeneinander ausgespielt werden bis sie gar keinen Lohn mehr kriegen. Beim Streik: im Kapitalismus ist es nicht bloß so, dass man für andere arbeiten muss, um zu überleben, man muss auch noch regelmäßig dafür kämpfen, dass man von dem Lohn überhaupt leben kann. Das ist einerseits ein Armutzeugnis für diese Wirtschaftsweise, andererseits auch der Beweis, dass es Klassenkampf (den Streit zweier Parteien um die Mittel ihres Lebens, wie du ja selber zugibst) gibt, egal wie du ihn nennst.

    5. „Diese Zahlen machen deutlich, dass der Mitarbeiter zurecht den Löwenanteil des Umsatzes erhält und der Unternehmer bzw. die Eigentümer nur einen kleinen Anteil als Risikoentlohnung bekommen, von dem gerade in kleinen Unternehmen vielfach ein Großteil wieder ins Unternehmen investiert wird.“

    Es ist empirisch einfach lachhaft zu behaupten, die „Mitarbeiter“ (wie es heute so schön heißt, gemäß deiner Ideologie) würden mehr Lohn bekommen als die Unternehmer. Das kann man am unterschiedlichen Lebensstandart einfach sehen. Das war aber gar nicht die Kritik, hier liegt ein Missverständnis vor. Du verwechselst Profit mit Unternehmerlohn. Wir wissen genau, dass das nicht dasselbe ist und dass es auch dir passieren kann, genau wie dem „Mitarbeiter“, dass du pleite gehst und in der Gosse landest (auch wenn das unwahrscheinlicher ist, je nach absolutem Profitvolumen)

    6. „Wäre, wie oft behauptet, ein “anstrengungsloses Einkommen” mit Unternehmensbeteiligung zu erwirtschaften, würden weite Teile der Bevölkerung ihre Sparbücher und festgeldkonten plündern und in Aktien, Unternehmensanleien oder GmbH´s bzw. Genossenschaften investieren“

    Wir behaupten nicht, dass man als Unternehmer automatisch ein anstrengungsloses Leben hat und den ganzen Tag am Pool sitzen kann (obwohl es auch das gibt). Es ist aber auch nicht wahr, dass jeder Mensch einfach Unternehmer werden kann. Wie willst du denn ein Unternehmen gründen, indem du dein Sparbuch plünderst? Das reicht bei den meisten Leuten nichtmal für eine Pommesbude.

    7. „Nach meiner Beobachtung wird Klassenkampf heute nur noch ernsthaft von dem linken und rechten Rand des politischen Spektrums propagiert. “

    Eine dreiste Unverschämtheit, zeig mir mal eine einzige Stelle, bei der Rechtsradikale Klassenkampf propagieren, ansonsten nimmst du das sofort zurück! Deren Programm ist das Gegenteil davon, nämlich die Einheit des Volkes über die Klassengegensätze hinweg.

    8. „Als gelernter DDR-Bürger kann ich mich an Klassenkampf a la “real existierender Sozialismus” noch gut erinnern und die braune Perspektive ist mindestens genauso schlimm, wenn der “Führer” bestimmt, welche Autos für die “Volksgemeinschaft” gebaut werden.“

    Den Vorwurf Bild-Niveau geb ich dir hiermit zurück! Touché!

    • St. Blasii schreibt:

      Ihre Kommentare zeugen davon, dass Sie vermutlich noch nie ein Unternehmen von innen gesehen haben, geschweige denn unternehmerische Prozesse bzw. betriebswirtschaftliche Fakten kennen. Sie wollen eben über „Profit“ reden, ich sage Gewinn (mit dem Begriff „Unternehmerlohn“ hatte ich die Haftungsvergütung für das investierte Kapital gemeint, sorry für die Unklarheit) , der nötig ist für Investitionen (möglichst ohne Banken), Innovationen und sozialen Fortschritt durch höhere Wertschöpfung. Im Falle des Scheiterns trägt der Unternehmer/Anteilseigner alleine das Risiko, da der Mitarbeiter durch Arbeitslosenversicherung abgesichert ist. Ich kenne genügend Unternehmer, die vom Insolvenzverwalter bis auf das letzte Hemd ausgezogen wurden und dann wirklich in der Gosse gelandet sind. Im dt. Sozialsystem passiert das dem Arbeitnehmer nicht, er bekommt im zweifel bis zu 2 Jahre Arbeitslosengeld I und eine Umschulung auf Kosten der Arbeitsagentur. Wie stellen Sie sich denn ein System der Wertschöpfung vor, dass nach Ihren Maßstäben gerecht ist? Ihre E-Mail-Adresse lässt „fintere Pläne“ vermuten.

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