Initiative Kreativwirtschaft für Zella-Mehlis

Kreativwirtschaft ist der einzige Wirtschaftszweig, in dem die Erbringung der Leistung nicht an den Ort des Auftraggebers gebunden ist und somit die Arbeit den Menschen folgt und nicht umgekehrt. Diese Tatsache bietet für eine ländlich geprägte Region wie Südthüringen und im Konkreten für eine Stadt wie Zella-Mehlis noch völlig ungenutzte Chancen. Für die Ansiedlung von Unternehmen aus der Kreativwirtschaft (Marketing, Design, Architektur, Software, Beratungsunternehmen usw.), welche vorrangig dem kleinen Mittelstand (1-50 MA) zuzurechnen sind, spielen folgende Standortfaktoren eine entscheidende Rolle:

  • Umfeld (Natur, Versorgung, Freizeitmöglichkeiten, Familienfreundlichkeit)
  • Verkehrsanbindung
  • Anbindung an schnelles Internet
  • Wohnungs-/Immobilienmarkt
  • Kinderbetreuungs-/Bildungsinfrastruktur
  • Arbeitsinfrastruktur für Projektgeschäft (temporäre Beratungsräume und Arbeitsplätze mit moderner ITK-Infrastruktur)

Wenn wir die diesbezügliche Infrastruktur in Zella-Mehlis betrachten, kommen wir zum Ergebnis, dass wir ausgezeichnete Voraussetzungen zu bieten haben.

Der Thüringer Wald mit Rennsteig und Oberhof in der unmittelbaren Nähe, die überwiegend intakte Natur mit viel Wald und ergiebigen Wandermöglichkeiten setzen einen ansprechenden Rahmen.

Gleichzeitig haben wir mit den Autobahnen A71 und A73 eine perfekte Verkehrsanbindung mit zentraler Lage in Deutschland/Europa. Auch die Zuganbindung mit ICE-Knoten in Erfurt ist akzeptabel.

Reichlich ungenutzte Wohn- und Gewerbeimmobilien im Altbestand und zusätzlich Brachflächen in zentraler Lage lassen genügend Raum für Wohnen nach Wunsch und spezifische Gewerbeflächen für die Kreativwirtschaft.

Die Infrastruktur der Telekommunikationsunternehmen (Festnetz/DSL oder Mobil/WLAN) sind vorhanden bzw. mit wenig Aufwand zu schaffen, um der Branche einen High-Speed-Zugang in die Datennetze der Welt zu ermöglichen oder mit Tablet/Laptop im Wald sitzend kreativ/produktiv zu sein.

In Zella-Mehlis gibt es ausreichend Kinderbetreuungsplätze von der Kita über die Tagesmütter bis zu den Hortplätzen. Auch sind alle Schulformen (Grundschule, Regelschule, Gymnasium) in der Stadt vertreten, was den Eltern viel organisatorische Erleichterung bringt.

Was bisher fehlt ist die entsprechende aktive Vermarktung all dieser positiver Standortmerkmale an die Zielgruppe Kreativwirtschaft. Bisher stand die Akquise von sogenanntem „Produzierenden Gewerbe“ im Vordergrund. Dieser Ansatz war nicht falsch, zudem er mit hohen Fördersätzen unterstützt wird, reicht aber m. E. nicht aus, weil er die o. g. Potentiale nicht ausschöpft und die Ansiedlung eines produzierenden Unternehmens wegen des Gesamtaufwandes viel höhere Hürden überwinden muss.

Wie das Thür. Wirtschaftsministerium in ihrem kürzlich erstellten Trendatlas festgestellt hat, liegt in der Kreativwirtschaft eine bisher ungenutztes Potential, zumal von vielen Unternehmen der Branche (Software- und Beratungsunternehmen) eine enorme Hebelwirkung für die übrige Realwirtschaft ausgeht, da die Geschäftsmodelle dieser Unternehmen auf die Effizienzsteigerung von Unternehmen insgesamt ausgerichtet sind. Dadurch wird die globale Wettbewerbsfähigkeit von deutschen/thüringer Unternehmen hergestellt bzw. erhalten.

Einen weiteren Infrastrukturfaktor gilt es noch zu entwickeln, um die optimalen Standortbedingungen und eine zügige Realisierung sicherzustellen. Die Schaffung von modernen Büro- und Beratungsräumen für ein temporäres, projektbezogenes Arbeiten. Hierbei schwebt mir nicht vor, das 100ste öffentlich voll finanzierte Gründungs- und Innovationszentrum zu schaffen. Vielmehr setze ich hier auf Public-Private-Partnership (PPP) und möchte private Investoren (und/oder Wohnungsbaugesellschaften) dazu ermuntern und in die Lage versetzen, eine oder mehrere Immobilien zu entwickeln, in denen sich die Kreativen auch tage- wochen- oder monatsweise inklusive aller technischen und sonstigen Voraussetzungen (Telefonanschluss, Internetanschluss, Büromöbel usw.) einmieten können. Dies schafft für private Investoren neue Geschäftsfelder und die Möglichkeit manche bisher ungenutze Altfläche neu zu beleben.

Ich bin fest davon überzeugt, dass eine solche Fokussierung auf die Kreativwirtschaft für Südthüringen mit Zentrum Zella-Mehlis enorme Potentiale hat, wenn auch bisher in den Überlegungen des Wirtschaftsminister Südthüringen hinter dem Berg liegt und auch die zuständige IHK in Suhl noch an den alten Schwerpunkten festhält. Bezogen auf die wirtschaftlichen Zentren von Bayern bis Hessen liegen wir vor dem Berg und können vielen Kleinunternehmen hier ein attraktives Wohnumfeld, hervorragende Kinderbetreuung verbinden mit vielfältigen Bildungsstrukturen zu moderaten Preisen in Sachen Wohnen und Lebenshaltung bieten.

Eine Stadtverwaltung, die nicht wortreich erklärt was nicht geht, sondern auch das scheinbar Unmögliche möglich macht, kann dann mental die Ansiedlungsoffensive noch den besonderen Kick verleihen.

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